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Corona

Ich habe auf dieser Sonderseite einige Texte und Ideen zusammengetragen, die ich in den letzten Tagen geschrieben habe, für Onlinegottesdienste und Websites. Mögen sie Seelsorgern und allen Christen Anregungen geben, mit der jetzigen Situation auch pastoral und liturgisch umzugehen.

Bleiben Sie gesund und von Gott gesegnet
Sebastian Fiebig

Letzte Aktualisierung 12. Juni 2020

Stellvertretend die Messe feiern?

Die Kirchen sind für öffentliche Gottesdienste geschlossen gewesen. Viele Priester feierten die Heilige Messe allein, bei geschlossenen Kirchentüren in der Kirche oder einfach in ihrer Wohnung. Manche geben sich selbst die Antworten, denn es ist ja niemand da. An die Theologie dahinter kann man grundsätzliche Anfragen haben. Worin genau besteht der Unterschied zu den hochmittelalterlichen Winkelmessen, bei denen einer alleine die Messe zelebriert? Vielfach wurden diese Gottesdienste wenigstens gestreamt, und so konnte zumindest der internetaffine Teil der Gemeinde Erfahrungen der Gemeinschaft machen, in reduzierter Form. Das war für viele sehr berührend. Viele Menschen schauten diese Übertragungen regelmäßig und zogen daraus Kraft und Stärkung. Sinnvoll ist es um dieser Mensche willen wohl, mit der Übertragung nicht zu enden, denn viele können und wollen noch keine öffentlichen Gottesdienste besuchen, um sich und andere vor einer Ansteckung zu schützen.

Ein Wort kann ich allerdings gar nicht verstehen. Immer wieder war und ist in diesen Tagen zu hören: „Wir Priester feiern stellvertretend die Heilige Messe“. Selbst in bischöflichen Hirtenworten wird der Begriff genannt. Sicherlich ist hier nicht gemeint, daß das Amt des Vorstehers in der Eucharistiefeier in persona Christi capitis, also als eine Art Stellvertreter für Christus, ausgeübt wird. Gemeint ist vielmehr, daß die Messe stellvertretend für die Gemeinde gefeiert wird. Kann das denn sein, das jemand „stellvertretend für die Gemeinde “ die Messe feiert? Welches Liturgieverständnis steckt dahinter?

Aus gutem Grund (SC 26-32) sind Messen ohne die Beteiligung der Gemeinde (früher: ohne Volksbeteiligung, sine populo) die Ausnahme und an bestimmten Tagen wie Gründonnerstag sogar verboten (Römisches Meßbuch 1975, Einleitung zu Gründonnerstag). Empfohlen oder angeraten wird sie in den kirchlichen Dokumenten nirgends, immer liegt der Fokus auf der Feier mit der Gemeinde.

Denn: Was genau ist die Messe? Doch die Feier der versammelten Gemeinde! Diese beiden Begriffe zusammengedacht - Feier (erstmals im 3. Jh. von Cyprian von Kathargo auf die Messe angewendet) und Gemeinde - machen schon deutlich: Wenn die Gemeinde nicht dabei sein kann (weil sie sich nicht einmal virtuell versammeln kann), kann man sich fragen, ob dann eine Meßfeier überhaupt angebracht ist. Theologisch kann man das nur mit Mühe rechtfertigen, etwa in dem Sinne, daß Liturgie immer auch Feier der ganzen Kirche ist, nicht nur der konkreten versammelten Ortsgemeinde. Die alleinige Zelebration (von Feier kann ich hier nicht sprechen) eines Priesters ist aber auch nicht verboten, und natürlich kann er dabei an die abwesende Gemeinde denken, für die Gemeinde beten, auf die Gemeinde hoffen.

Aber kann man auch eine Zelebration eines einzelnen Priesters in einer leeren Kirche als „stellvertretend für die Gemeinde feiernd“ bezeichnen? Ich denke nicht, daß das irgendeinen Sinn ergibt. Niemand kann stellvertretend heiraten oder stellvertretend die Taufe empfangen. Stellvertretend eine Messe feiern kann auch niemand.

© Sebastian Fiebig 2020

Zurück in die Zukunft? Einige Gedanken zur raschen Kirchenöffnung

So schnell, wie öffentliche Gottesdienste ab dem 22. März 2020 ausgesetzt wurden, so überstürzt erfolgt nun ihre Wiederaufnahme unter Auflagen. Nicht alles kann und wird wie vor Corona-Zeiten sein. Die Pläne der Bistümer, die teilweise schon vorliegen (Stand 29. April 2020), lassen das erahnen. Was ist in diesen virulenten Zeiten zu bedenken? Ein paar Gedanken dazu von mir:

  • Liturgie ist einer der Grundvollzüge der Kirche. Ohne Liturgie kann die Kirche nicht existieren. Liturgie ist weit mehr als die Feier der Heiligen Messe, aber findet dort ihren Höhepunkt (SC 10). Daher gibt es für den einzelnen Christen sogar ein Recht auf die Eucharistiefeier.

  • In den deutschen Bistümern sind die Gläubigen auch zu Beginn der Kirchenöffnung bis auf weiteres von der Sonntagspflicht dispensiert.

  • In einer Umfrage der Tagespost äußerten 29 Prozent der katholischen Befragten, daß Ostern für sie dieses Jahr ohne öffentliche Gottesdienste „kein richtiges Fest“ gewesen sei. Das bedeutet dann wohl umgekehrt, daß 71 Prozent nicht dieser Meinung sind und Ostern offenbar mehr oder weniger gut ohne öffentliche Gottesdienste auskamen. Das deckt sich mit meiner persönlichen Wahrnehmung, daß viele Menschen dieses Jahr anders Ostern gefeiert haben: Mit Hausgottesdiensten, einem kleinen Osterfeuer im Garten, via Fernsehen und als Livestream. Viele, die ich kenne, waren damit sehr zufrieden, und manche sagen auch deutlich: Ich habe nichts vermißt. Was folgt daraus für uns als Mitarbeiter, als Gemeinden?

  • Genauso gibt es Menschen, die die Eucharistiefeier sehr vermissen und denen es ein echtes geistliches Bedürfnis ist, zusammen zu feiern und die Kommunion zu empfangen. Ich möchte dem gerne gegenüberstellen, daß es Regionen auf der Welt gibt, in denen einmal im Jahr ein Priester vorbeikommt und für den Rest des Jahres kirchliches Leben auch ohne Eucharistiefeier gut funktioniert, einschließlich der Liturgie. In Rußland hat die Kirche Jahrzehnte ohne Priester und Eucharistie überlebt. Was allerdings nie fehlte war die Gemeinschaft und Gottesdienste anderer Art.

  • Wie sehr ist es den Kirchen in den letzten Wochen gelungen, weitere Schritte von der versorgten zur sorgenden Gemeinde zu gehen? Ein Großteil der kirchlichen Aktivitäten wird von Priestern und pastoralen Mitarbeitern organisiert und durchgeführt, besonders in der Liturgie. Ein sehr spezielles Eucharistievertändnis zeigen diejenigen von ihnen, die sich in den Kirchen alleine einschließen und ohne Gegenüber Eucharistie feiern. In normalen Zeiten ist dies schlicht verboten (CIC can. 906, Corona stellt aktuell einen gerechten Grund dar), und diese Regel ist theologisch begründet. Es geht nicht ohne Gemeinde, vom Wesen der Feier her nicht. Wenn diese Feiern als Lifestream oder später im Netz oder im Fernsehen wenigstens mitgefeiert werden können, finde ich das vertretbar. Aber oft geschieht dies nicht. Erinnern wir uns: Trägerin der Liturgie ist die Gemeinde, und die tätige Mitfeier der Gläubigen (SC 48), die Beteiligung der Laien (CIC can. 835,4) muß ja ihren Ausdruck finden. Wo war diese sichbar? Wo wird diese zukünftig sichtbar, wenn das Mitsingen ebenso wie der Friedensgruß verboten ist und liturgische Antworten durch eine Maske gedämpft werden?

  • Die letzten Wochen zeigen, daß sich eine Vielfalt von Gottesdienstformen präsentiert hat und ihre Teilnehmer gefunden hat: Videoimpulse, Lifestreams, Fernsehgottesdienste, Podcasts, Videokonferenzen. Die Qualität ist sehr verschieden, aber die Kreativität, andere Formen zu finden, ist groß. Das einzige, was ich zur Zeit in der Debatte wahrnehme, ist die Öffnung der Kirchen für Eucharistiefeiern. Die übrige Liturgie der Kirche wie Wortgottesfeiern und Stundengebet und Formen privater Andacht wie Bibelteilen, Rosenkranzgebet, persönliche Schriftbetrachtung und Gebetszeiten sowie ökumenische Gottesdienste spielen aktuell keine für mich wahrnehmbare Rolle dabei. Einzig das Bistum Würzburg macht eine Ausnahme und erlaubt ab 4. Mai Gottesdienste ausdrücklich nicht als Eucharistiefeier. Wie sehr eucharistiezentriert denken wir gerade und warum? Und: Wer folgt hier wem?

  • Bisher veröffentlichte Corona-Schutzkonzepte lassen mich zweifeln, ob eine Feier des Gottesdienstes wirklich in würdiger Art und Weise ablaufen kann. Einbahnstraßen sollen mit Klebestreifen oder Seilen markiert sein, es soll keinen gemeinsamen Gesang geben, alle tragen Mundschutz, die Kommunion könnte mit Handschuhen ausgeteilt werden (im Bistum Regensburg ist das vorgeschrieben) oder gar mit einer Zange. Wird hier noch etwas von der Würde und Erhabenheit kirchlicher Liturgie erfahrbar?

  • Durch den Wegfall der öffentlichen Gottesdienste fällt vielerorts auch die Vielfalt der liturgischen Dienste weg: Meßdiener, Lektoren, Kommunionspender, Kantoren, Organisten, Musiker, Chor und viele andere (SC 29). Kirche wirkt dadurch in den digitalen Medien klerikaler, als sie vor Ort tatsächlich ist. Und in den jetzt wieder beginnenden Gottesdiensten werden diese Dienste sehr reduziert zum Einsatz kommen (im Bistum Regensburg „auf ein Minimum“, im Bistum Würzburg sind keine Ministranten erlaubt). Wie wird sich dies auf die Wahrnehmung der Mitwirkung aller Getauften innerhalb und außerhalb der Gemeinden auswirken?

  • Das Bistum Trier empfiehlt ein Anmeldeverfahren per Telefon. Nur, wer angemeldet ist und auf einer Liste steht, wird zum Gottesdienst eingelassen. Was empfinden Menschen, die für den Sonntag keine Eintrittskarte oder Reservierung ergattern konnten? Die spontan kommen und am Kircheneingang abgewiesen werden? Wie geht es den Empfangsteams damit, Menschen abzuweisen? Was bedeutet das theologisch, wenn wir doch sonst predigen: Niemand ist ausgeschlossen, alle sind eingeladen?

  • Im Schutzkonzept des Bistums Erfurt werden die Ordner am Kircheneingang mit der Aufgabe belastet, Menschen mit Erkältungssymptomen auszuschließen und ihnen den Einlaß zu verweigern. Zugleich werden alle Toiletten verschlossen, was de facto vielen ältere Menschen, Menchen mit Handicap und jüngeren Kindern die Mitfeier erschwert oder unmöglich macht. Die Maßnahmen werden viele als ungerecht und unsolidarisch empfinden.

  • Die Lockerungen der Kontaktbeschränkungen im Alltag lassen vergessen, daß alle Risiken nach wie vor bestehen. Wie gewichten wir diese? Die Statistiken der Todesopfer zeigen, daß vor allem ältere und vorerkrankte an Covid-19 sterben. Diese stellen unter den Gottesdienstbesuchern eine nicht unerhebliche Zahl. Sie müssen im Blick des kirchlichen Handelns sein. Sollte nicht unsere Liturgie ebenso wie die Diakonie die Schwächsten in den Blick nehmen und von ihnen her denken? Wie gerecht sind andere Lösungen?

  • Jeder Mensch ist für sein Handeln selbst verantwortlich, könnte man argumentieren. Und zugleich bin ich in meinem Handeln immer auch für andere verantwortlich, besonders für Schwächere. Welche Anreize, welcher innere oder äußere Druck entsteht bei Menschen, wenn die Gottesdienste in den Kirchen wieder beginnen? Wird es nicht Personen geben, die dann zur Kirche kommen, obwohl sie dies aus Gesundheitsgründen besser nicht tun sollten? Ist es nicht Aufgabe der Kirche, diesen Druck nicht entstehen zu lassen und die Schwachen zu schützen? Das betrifft nicht nur die eigentlichen Kirchenbesucher, sondern es sind auch ihre Angehörigen, Kontaktpersonen, Ärzte usw. betroffen.

  • Könnte es nicht ein Zeichen der Solidarität sein, zu warten? Warum müssen wir jetzt die ersten sein? Restaurants dürfen auch noch nicht öffnen, Theater und Konzerte ebenso wenig. Ja, Baumärkte schon, aber dort sitze ich nicht eine Stunde neben anderen Menschen auf einer Bank. Und dort ist vermutlich auch der Altersdurchschnitt niedriger. Vergleichbar mit Gottesdiensten wären epidemiologisch eher Theatervorstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen, und die sind noch lange nicht erlaubt.

  • Wäre es möglicherweise die verantwortlichste Option, die öffentlichen Gottesdienste später wieder zu beginnen und erste Erfahrungen aus anderen Bereichen abzuwarten und in unsere Konzepte einzubeziehen? Wäre es nicht gut, langsam und auf Sicht zu fahren?

  • Ein Rückblick als Frage: Was haben wir denn eigentlich die ganze Corona-Zeit getan, in der angeblich die Gottesdienste verboten waren? Wir haben doch Gottesdienste gefeiert! Nur andere: In ganz vielen kreativen Formen, per Videokonferenz und in den sozialen Netzwerken, auf Innenhöfen von den Balkonen, im Radio und als Podcast und noch ganz anders.
Update: Erste Erfahrungen
  • Wer besucht unsere Gottesdienste jetzt (Stand 17. Mai 2020)? Eltern mit Kindern bleiben noch weg, weil sie Sorgen haben. Die, die am gefährdetsten sind, kommen: die ältesten Gemeindemitglieder! Sie benutzen für die Anreise öffentliche Verkehrsmittel, und einige stehen nach der Messe in Grüppchen zusammen.

  • Die Ordner an der Kirchentür weisen einen Kirchenbesucher zu Beginn des Gottesdienstes darauf hin, bitte eine Maske aufzusetzen. Das wird empört zurückgewiesen mit dem Hinweis, die sei ja „nur eine Empfehlung“ des Bistums und keine Pflicht. Masken schützen den anderen vor Ansteckung mit einer potentiell tödlichen Krankheit. Es ist mir ein Rätsel, wie man andächtig einen Gottesdienst besuchen kann und einem dabei zugleich der Nächste völlig egal ist.

© Sebastian Fiebig 2020

Geistliches Wort

Wir erleben eine Krise, die unseren Alltag mehr bestimmt, als wir es für möglich gehalten hätten. Das ist für uns eine große Herausforderung. Wir wissen uns auch in Krisenzeiten in Gottes Hand. Völlige Sorglosigkeit scheint ebenso unangebracht wie endzeitliche Panik. Handeln wir in Verantwortung und aus Solidarität mit unseren Mitmenschen, befolgen wir die Hinweise der Ärzte und Behörden und verlassen uns auf ihr Wissen und ihre Erfahrung.

Seien wir uns weiter einander nahe, auch wenn wir uns nicht direkt treffen können. Greifen wir zum Telefon und rufen einander an. Fragen wir Nachbarn, ob sie Hilfe brauchen. Lassen wir Fünfe gerade sein, wenn wir uns in der häuslichen Enge gegenseitig nerven. Beten wir füreinander. Feiern wir gemeinsam Gottesdienst, über das Fernsehen, am Telefon oder per Videokonferenz. Verabreden wir uns zu einer virtuellen Gemeinschaft, in der viele zur selben Zeit dieselben Bibelworte und Gebete sprechen. In Krisenzeiten ist das Gebet ein hilfreiches Mittel gegen die Angst. Möge es Frieden, Kraft und Gelassenheit in unsere Herzen bringen, wenn wir uns im Beten Gottes Liebe aussetzen.

© Sebastian Fiebig 2020

Kirchliche Regelungen für Ostern 2020
  • Mittwoch der Karwoche, Leerung des Tabernakels: Der Tabernakel wird am Abend vor dem Gründonnerstag (also am Mittwoch der Karwoche) wie üblich geleert. Am Gründonnerstag ist normalerweise der Empfang der Krankenkommunion möglich. Es werden daher einige wenige Hostien an einem anderen Ort, etwa in einem zweiten Tabernakel in der Werktagskapelle oder einer Seitenkapelle, aufbewahrt.

  • Gründonnerstag, Aufbewahrung der Eucharistie und Aussetzung: Am Abend des Gründonnerstags wird die Messe vom Letzten Abendmahl gefeiert. In den Vorjahren wurden dabei auch die Hostien für den Kommunionempfang der Gemeinde in der Karfreitagsliturgie gewandelt. Im Anschluß daran wurde das Allerheiligste in einer Prozession „übertragen“, das heißt an einen anderen Aufbewahrungsort gebracht. Dort konnte sich eine Eucharistische Anbetung anschließen (Römisches Meßbuch 1975, bei Gründonnerstag/Abendmahlsmesse, Nr. 16). Da in diesem Jahr an Karfreitag keinerlei öffentliche Gottesdienste stattfinden, entfällt auch die Notwendigkeit, die Hostien in der Nacht vom Gründonnerstag auf Karfreitag aufzubewahren und in Prozession zu übertragen. Dies hat aber zur Folge, daß auch der Grund für die Ölbergwache vor dem Allerheiligsten entfällt. Denn wenn keine Hostien für den Karfreitag gebraucht werden, kann es auch keine Aussetzung des Allerheiligsten geben. Folgerichtig konstatiert die Gottesdienstkongregation im Corona-Dekret II: „Ebenso entfällt am Ende der Messe vom Letzten Abendmahl die Prozession; das Allerheiligste wird im Tabernakel aufbewahrt.“ (Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Dekret „In der Zeit von Covid-19 (II)“, 25. März 2020, Protokollnummer 153/20) Eine Aussetzung des Allerheiligsten ist in diesem Jahr nach der Messe vom Letzten Abendmahl also nicht gestattet und ist auch theologisch nicht sinnvoll. Einen eucharistischen Segen gibt es am Gründonnerstag ohnehin nicht.

  • Gründonnerstag, Messe ohne Volksbeteiligung: Von Gründonnerstag bis zur Osternacht findet nach bisheriger Regelung jeweils nur eine einzige Gemeindemesse statt. Zusätzlich „Messen ohne Volk“ (sine populo), also Privat- und Gruppenmessen, zu feiern ist nicht erlaubt (Rundschreiben Paschalis sollemnitatis über die Feier von Ostern und ihre Vorbereitung vom 16. Januar 1988, Nr. 47). Das Meßbuch sagt es für den Gründonnerstag noch deutlicher: „Nach ältester Überlieferung der Kirche sind heute alle Messen ohne Gemeinde untersagt.“ (Römisches Meßbuch 1975, Einleitung zu Gründonnerstag). Dieses grundsätzliche Verbot der Missa sine populo ist für dieses Jahr am Gründonnerstag aufgehoben.

  • Gründonnerstag, Fußwaschung: Am Gründonnerstag ist in der Abendmahlsmesse laut Meßbuch die Fußwaschung möglich („Wo die seelsorgerlichen Verhältnisse es anraten“, Römisches Meßbuch 1975, bei Gründonnerstag/Fußwaschung). Einleuchtend ist, daß aufgrund der Kontaktbeschränkungen und des Risikos bei Körperkontakt die Fußwaschung am Gründonnerstag weltwelt ersatzlos ausfällt: „Die optionale Möglichkeit zur Fußwaschung entfällt.“ (Dekret „In der Zeit von Covid-19 (II)“, s. o.)

  • Karfreitag, Fürbitten: Im Meßbuch ist die Möglichkeit erwähnt, daß ein Bischof bei einer „schweren öffentlichen Notlage“ eine besondere Bitte zusätzlich gestatten oder anordnen kann (Römisches Meßbuch 1975, bei Karfreitag/Große Fürbitten). Von dieser Möglichkeit hat die Deutsche Bischofskonferenz Gebrauch gemacht. Die Großen Fürbitten sind um eine weitere Bitte ergänzt, die zwischen der 9. und 10. Fürbitte eingefügt wird. Es handelt sich um eine „kann-Formulierung“. Für den Bereich der Deutschen Bischofskonferenz ist der Wortlaut: „Lasst uns auch beten für alle Menschen, die in diesen Wochen schwer erkrankt sind; für alle, die in Angst leben und füreinander Sorge tragen; für alle, die sich in Medizin und in Pflege um kranke Menschen kümmern; für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmitteln suchen, und für alle, die Entscheidungen treffen müssen und im Einsatz sind für die Gesellschaft, aber auch für die vielen, die der Tod aus dem Leben gerissen hat. (Beuget die Knie. – Stille – Erhebet euch.) Allmächtiger, ewiger Gott, du bist uns Zuflucht und Stärke; viele Generationen haben dich als mächtig erfahren, als Helfer in allen Nöten. Steh allen bei, die von dieser Krise betroffen sind, und stärke in uns den Glauben, dass du alle Menschen in deinen guten Händen hältst. Die Verstorbenen aber nimm auf in dein Reich, wo sie bei dir geborgen sind. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.“ Da es in Zeiten der Reisebeschränkungen unpassend erscheinen könnte, darf die Passage „den Pilgernden und Reisenden eine glückliche Heimkehr“ in der 10. Fürbitte entfallen. (DBK Aktuelles, 25. März 2020)

  • Karsamstag: Der Karsamstag ist ein stiller Tag. Allein das Stundengebet wird gebetet. Der Altar bleibt leer, es gibt keine Messen, keine Wortgottesfeiern und selbstverständlich auch keine Eucharistische Anbetung. Die Kommunion darf nur Sterbenden in der Feier der Wegzehrung gebracht werden, die Krankenkommunion ist nicht erlaubt. Alle diese Regelungen gelten weiter.

  • Osternacht, erlaubte Orte: Die Osternacht darf weltweit nur in den Bischofs- und Pfarrkirchen gefeiert werden, nicht in Filialkirchen und Kapellen. (Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Dekret „In der Zeit von Covid-19 (II)“, 25. März 2020, Protokollnummer 153/20)

  • Osternacht, Tauffeier: Im dritten Teil der Feier der Osternacht, genannt Tauffeier, ist einzig die sogenannte Erneuerung des Taufversprechens noch vorgesehen, alle anderen Elemente entfallen. Es gibt also keine Allerheiligenlitanei, keine Taufwasserweihe und auch keine Taufen. (Dekret „In der Zeit von Covid-19 (II)“, s. o.)

© Sebastian Fiebig 2020

Kyrie

Wir haben eine gemeinsame Mitte, Jesus Christus. Wenn wir auf ihn zugehen, sind wir auch einander nah. Begrüßen wir ihn mitten unter uns.

Herr Jesus Christus,
Du liebst uns und weißt um unser Leben. Herr, erbarme dich.
Du kennst unsere Freuden und unsere Sorgen. Herr, erbarme dich.

Du belebst uns, wenn wir schwach sind.
Christus, erbarme dich.
Du heilst uns und richtest uns auf.
Christus, erbarme dich.

Du sprichst das Wort, das uns tröstet.
Herr, erbarme dich.
Du befreist uns zu neuem Leben.
Herr, erbarme dich.

Der Herr erbarme sich unser, er nehme von uns, was uns trennt von ihm, damit wir mit reinem Herzen diese Feier begehen.

© Sebastian Fiebig 2020

Fürbitten

Wir dürfen vor Gott treten und ihm sagen, was uns auf dem Herzen liegt.

Lasst uns beten für die, die in der Kirche Verantwortung tragen und für alle, die an Christus glauben. – Gott, unser Vater: Wir bitten dich, erhöre uns.
Lasst uns beten für die Politiker, die Ärzte und Forscher, die Wege aus der Krise suchen. – Gott, unser Vater: Wir bitten dich, erhöre uns.
Lasst uns beten für die am Virus Erkrankten und für alle, die sich Sorgen machen. – Gott, unser Vater: Wir bitten dich, erhöre uns.
Lasst uns beten für alle Christen in unseren Gemeinden und für uns alle, die diesen (Fernseh)gottesdienst mitfeiern. – Gott, unser Vater: Wir bitten dich, erhöre uns.

Gott, dir dürfen wir uns anvertrauen. Du führst deine Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit. Dir sei Lob und Ehre jetzt und in Ewigkeit.

© Sebastian Fiebig 2020

Aktionsideen

Wie es funktionieren kann, daß wir uns trotz örtlicher Entfernung miteinander verbunden wissen, zeigen diese Aktionsideen aus den letzten Tagen:

  • Das Deutsche Liturgische Institut lädt dazu ein, jeden Abend um 19.30 Uhr eine Kerze ins Fenster zu stellen und ein Vaterunser zu beten: Allein oder gemeinsam mit den Menschen, mit denen man zusammen lebt.
  • Die Jesuiten bieten einen spirituellen Newsletter per Mail an. Unter dem Titel „Ignatianische Nachbarschaftshilfe“ werden täglich am Morgen spirituelle Impulse und am Samstag einen Vorschlag für einen sonntäglichen Hausgottesdienst verschickt.
  • Auf katholisch.de findet sich eine gute Übersicht katholischer Fernsehgottesdienste.
  • Alltagsexerzitien in der Krise bietet das Bistum Main im Internet an.
  • Eine evangelische Pastorin in meiner Stadt hat den Senioren aus dem Seniorenkreis die Aufgabe gegeben, daß jeder jeden Tag drei Menschen anruft, die er kennt.
  • In manchen Gemeinden hängt am Sonntag eine Predigt an der Kirchentür zum Mitnehmen. Nicht jeder hat einen Internetzugang.
  • Für Videokonferenzen eignet sich zoom.com gut, es ist auch für Computerlaien nutzbar. Nur installieren reicht. Eine Anmeldung ist nicht unbedingt nötig, wenn jemand anderes die Konferenz startet.
  • Der italienische Journalist Luca Zorloni, er arbeitet für ein Computermagazn, hat das gemeinsame Abendessen per Skype erfunden. Da er sich, wie die meisten Italiener, nicht mit Freunden treffen kann, hat er sich abends mit Freunden am Bildschirm verabredet. Jeder saß mit seinem Teller vor dem Computer. Dann haben die Freunde via Skype lange miteinander gegessen und gesprochen, als säßen sie alle zusammen, obwohl jeder bei sich zu Hause war.

© Sebastian Fiebig 2020

Externe Links

© Sebastian Fiebig 2020

„Jesus aber rief ihnen zu: Ich bin es; fürchtet euch nicht!“
Johannes 6, 20

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